Sie zählt zu den spektakulärsten Bahnstrecken Europas: die Eisenbahn von Belgrad in Serbien bis ans Meer in Montenegro. 254 Tunnel und 435 Brücken auf insgesamt 476 Kilometern Länge. Einer der schönsten Abschnitte der Bahn führt in Montenegro von der Hauptstadt Podgorica nach Kolašin und überwindet 1.000 Höhenmeter.
Die Fahrt mit Titos Gebirgsbahn durch Montenegro, über die höchste Eisenbahnbrücke Europas und durch das zauberhafte Moraca-Tal gehört zu meinen schönsten Erlebnissen im kleinen Balkanstaat.
Abfahrt mit Titos Gebirgsbahn
Laut ratternd fährt der rot-blaue Zug im Bahnhof von Podgorica ein. Mit uns warten nur wenige Passagiere auf die frühe Abfahrt um 6.50 Uhr. Das Ticket haben wir uns wenige Minuten vorher direkt am Bahnhof gekauft.

Ihren Spitznamen erhielt die Eisenbahnstrecke von Bar in Montenegro bis Belgrad von seinem Initiator und Förderer. Der damalige jugoslawisches Staatspräsident Josip Broz Tito setzte sich für das spektakuläre Bauprojekt durch die Dinarischen Alpen ein, um die Hauptstadt Belgrad mit dem Meer zu verbinden. 1976 eröffnete Tito die Strecke nach einer Bauzeit von 25 Jahren.
Tito versprach sich von der Eisenbahn wirtschaftliche Entwicklung. Unter anderem war es Ziel, den Tourismus zu fördern. Bei unserer Fahrt mit der Eisenbahn durch Montenegro treffen wir jedoch nur auf wenige Reisende.
Mit Titos Gebirgsbahn durch das idyllische Mala Rijeka Tal
Schon nach 20 Kilometern hinter der Hauptstadt Montenegros schlängelt sich die Eisenbahn das Mala Rijeka Tal entlang. Zauberhaft hängt schwerer Nebel zwischen den grünen Hügeln. Kleine Orte erwachen langsam zum Leben. Immer weiter schiebt sich der Zug die Berge hinauf.

Tunnel und kleine Brücken leiten uns durch die Hänge der Berge und über kleinere Schluchten. Bis das Highlight der Strecke majestätisch vor uns auftaucht: Das Mala Rijeka Viaduckt.
Die höchste Eisenbahnbrücke Europas
Auf der Strecke von Podgorica nach Kolašin überqeueren wir die höchste Eisenbahnbrücke Europas. Montenegros Mala-Rjeka-Viaduckt überspannt in 198 Metern ein Tal auf 498,8 Metern Länge. 137,5 Meter ragen allein die Betonpfeiler empor, auf denen die Brücke thront.
Im Schritttempo schiebt sich der Zug über das fast 500 Meter lange Stahlwerk. Genügend Zeit um das Ausmaß zu erfassen, ehrfurchtsvoll die Höhe abzuschätzen und den atemberaubenden Blick zu genießen. Rundherum türmen sich Felsen und steile Hügel auf. Hohe Betonfeiler tragen das Gewicht der Brücke und der darüber hinweg ratternden Eisenbahn.
Übrigens war die Brücke in Montenegro bei seiner Fertigstellung sogar die höchste Eisenbahnbrücke der Welt. Inzwischen wurde sie mehrfach überholt, spektakulär ist die Fahrt mit Titos Gebirgsbahn über die Brücke nach wie vor.

Montenegro Eisenbahn: Gebirgsfahrt durch das Tal der Moraca
Tunnel und Brücken wechseln weiter in rascher Folge. In der Tiefe wird die Moraca, dessen Tal wir begleiten, immer kleiner. Bis der Fluss nur noch als weißes Band viele hundert Meter unter uns zu erkennen ist. Die etwa 50 Kilometer lange Moraca-Schlucht, durch die sich die Eisenbahn langsam windet, zählt zu den schönsten Naturlandschaften in Montenegro.
Die Berge werden schroffer. Karstgestein fällt steil ab in den Canyon. Wir begleiten den Fluss weiter bis in die Nähe seiner Mündung bei Kolasin. Von hier aus fließt er etwa 100 Kilometer durch das Land und ergießt sich in den Skutarisee.


Ankunft mit der Eisenbahn in Kolašin
Nach einem weiteren langen Tunnel durch das Gebirgsmassiv landen wir im Tara-Tal. Das immer schmaler wird. Das Dinarische Gebirge bildet hier die Wasserscheide zwischen Schwarzem Meer und Adria. Auf 1.030 Metern erreichen wir nach knapp anderthalb Stunden die höchste Station der Bahntrasse: Kolašin, unser Ziel.
Von hier aus möchten wir den Nationalpark Biogradska Gora entdecken. Ein Paradies für Wanderer und Naturliebhaber. Die Fahrt mit der Eisenbahn durch Montenegro war für uns ein Fortbewegungsmittel – aber gleichzeitig ein fantastisches Reiseerlebnis.

Auf der Berghütte in Kolašin
Kolašin ist für den Wintersport bekannt. Jetzt, im Sommer, ein Paradies für Wanderer. Mit dem Taxi lassen wir uns die etwa 13 Kilometer zu unserer Eco-Farm auf den Berg kutschieren.
Eigentlich dachten wir, wir hätten eine Unterkunft im Ort Kolašin* gebucht und gucken nicht schlecht, als uns der Taxifahrer mitten auf einer Kuhweide im nirgendwo in den Bergen herauslässt. Hier komme er mit dem Auto nicht weiter, so der Taxifahrer, aber es sei nicht mehr weit. Gleich hinter dem nächsten Hügel sei unsere Hüttensiedlung…
Also ziehen wir mit unseren Rollkoffern in der Hand zu Fuß weiter. Mitten durch die wunderschöne Landschaft des Nationalparks Biogradska Gora.


Wir sind am perfekten Ausgangspunkt für (mehrtägige) Wanderungen durch die Berge gelandet. Besser hätten wir es mit unserer “Fehlbuchung” nicht treffen können.
Ein fantastisches Versehen! Kleine Holzhütten* liegen idyllisch auf einer Wiese zwischen den Bergen. Eine Kuhglocke läutet. Hunde kläffen. Außer dem Hüttenwart sind weit und breit keine Menschen zu sehen.

Solarstrom sorgt für Licht in den Hütten. Mit Feuer im Ofen heizen wir ein. Warmes Wasser gibt es nicht. Abends verschlingen wir heißhungrig das frische montenegrische Essen: Fleisch, Kartoffeln, Kohl.
Reisetipps für die Fahrt mit der Eisenbahn in Montenegro
Titos Gebirgsbahn verbindet die Metropole Belgrad in Serbien über Montenegro bis an die Küste Montenegros in Bar.
Infos zu Titos Gebirgsbahn von Pogorica nach Kolašin:
- Strecke: 64,5 Kilometer. Dauer 1:30 h, Express 1:15 h (von Podgorica nach Bar ist es nochmal etwa eine Stunde)
- Fahrten: 5x täglich, darunter zwei Expresszüge ohne viele Zwischenhalte
- Zwischenhalte für den langsamen Zug: Zlatica, Bioce, Bratonazici, Lutovo, Krusevacki Potok, Trebesica, Seliste, Kos, Matesevo, Padez
- Fahrpläne bei der Eisenbahngesellschaft Montenegro (Zeljeznicki prevoz Crne Gore)
- Tickets kannst du vor Abfahrt am Bahnhof kaufen.
- Kosten: Podgorica-Kolašin 1. Klasse 5,10 Euro, 2. Klasse 3,40 Euro
Video zur Gebirgsfahrt in Montenegro
Beste Reisezeit für die Fahrt mit Titos Gebirgsbahn in Montenegro
Die beste Reisezeit für eine Fahrt mit der Eisenbahn in Montenegro ist der Sommer in den Monaten Juni bis September. In dieser Zeit ist die Karstlandschaft wunderschön begrünt und die Sicht ist fantastisch klar. Auch das Wetter ist stabil. Die Züge sind klimatisiert, so dass es nicht zu heiß wird.
Aber auch der Frühling oder Herbst sind für eine Fahrt mit Titos Gebirgsbahn spannend. Gerade in den frühen Morgenstunden hängen dann dichte Nebelschaden im Tal, die langsam aufziehen. In der Zeit sind weniger Touristen in Montenegro unterwegs.
Mein Unterkunfts-Tipp in Kolašin
- Eco Village, Villa Jelka*: Berghütten in der spektakulären Gebirgswelt.







Montenegro Experte Michael
8. Februar 2019Ein toller Bericht! Wer man etwas besonderes erleben möchte kann mit uns eine Führerstandsmitfahrt von Bar nach Kolasin machen. Mehr Infos hier: http://bahn.utjeha.me
Britta
9. Februar 2019Cool! Hört sich spannend an.