Accra – meine TOPs und FLOPs

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Auch nach meinem zweiten Besuch in Accra bleibt mein Eindruck der Hauptstadt Ghanas unbestimmt. Zwiegespalten. Genauso wie die Stadt selbst.

Eine Millionenstadt, die in Teilen kleinstädtisch, fast dörflich wirkt. Arm und Reich leben eng beieinander – doch anders als sich dies häufig in großen Metropolen auswirkt, ist die Kriminalität in Accra gering. Ich fühle mich sicher, auch in den ärmlichen Vierteln. Accra blickt auf über 500 Jahre Geschichte, ist aber keinesfalls traditionell geprägt. Afrikanisch ja. Und doch mit westlichen, modernen Einschlägen. Hektik und Chaos auf der einen Seite treffen auf entspannte Gelassenheit auf der anderen Seite.

Als würde sich die Stadt nicht festlegen wollen. So kann auch ich mich nicht festlegen. Accra hat mich weder besonders beeindruckt, noch kalt gelassen. Fest steht, ich habe einige TOPs aber auch FLOPs in der Stadt erlebt.

Das moderne Accra in Osu

Den Nachmittag schlendern wir entlang der Oxfort Street durch Osu. Osu ist der modernste Stadtteil von Accra. Das Viertel der Reichen, die hier shoppen, ausgehen, sich amüsieren und speisen. Hier treffen wir auch die meisten Weißen – Touristen, auf ihrer Durchreise, Volontäre oder Expats, die in Accra arbeiten und leben.

Die Oxfort Street verspricht etwas vom westlichen Konsum. Shops, teils internationaler Marken, säumen die Straße. Dennoch bin ich enttäuscht – versprüht das Viertel mit seinen Betonbauten keinerlei Charme. Autos schieben sich durch die Straße. Taxen kommen hupend neben mir zum Stehen. Aus den Minibussen, Tro-tros genannt, winken mir Hände entgegen. Gefolgt vom wiederschallenden Ruf, der das Fahrtziel anpreist. Vorsichtig schiebe ich mich zwischen Fahrbahn und Souvenirständen voran. Traditionelle Kleider, kleine Trommeln und Schnitzereien schreien mir in bunten Farben entgegen. Die Geschäfte dahinter für meinen Geschmack zum Shoppen zu spärlich. Zum Bummeln zu wenig einladend. Es fehlt an Originalität.

Wir biegen in die Seitenstraßen ab. Hier wird es ruhiger. Der Verkehr lässt nach. Und dank persönlicher Tipps finden wir einige Läden zum Stöbern. Zum Beispiel das „Global Mamas“ mit Fair-Trade-Produkten, wie Seifen oder Klamotten aus Batik-Stoffen von lokalen Frauen gefertigt. „Trashy Bags“ verkauft originelle Taschen, up-gecycelt aus den in Westafrika allgegenwärtigen Plastik- und Wassertüten. „Vidyas“ Buchladen hält eine ansehnliche Auswahl internationaler Literatur vor.

Nicht nur tagsüber ist Osu belebt. Das Viertel verfügt über die höchste Dichte an Bars, Restaurants und Kneipen in Accra. Uns zieht es in die Open-Air-Lokale, die sich entlang der Ring Road East aneinander reihen. Luxus und chic ist hier fehl am Platz. Die Musik dröhnt in voller Lautstärke aus den Boxen. Unterhalten ist kaum möglich. Aber auch nicht nötig, so sorgen doch die ausgefeilten Tanzeinlagen manch eines Ghanaers für spannende Unterhaltung.

Vor allem am Freitag und auch Samstag Abend brummt hier der Bär. Und der Bass – wie wir in unserem ‚zentral’ gelegenen Hostel feststellen müssen.

Mein persönliches Fazit: FLOP mit vereinzelten TOPs

Afrikanischer Flair auf dem quirligen Makola Market

Samstag ist Markttag – also auf zum Makola Market. Der zentrale Markt Accras ist ein Gewimmel und Gewusel ohne gleichen. Ein unübersehbares Chaos. Auf Ständen unter bunten Sonnenschirmen türmt sich von Obst über Elektrik bis Klamotten einfach alles. Dazwischen läuten Fanmilk-Verkäufer ihre Glocken, um Kundschaft zu ihren Wagen voller Eis und Kaltgetränken zu locken. Fliegende Händler schieben ihre Waren an mir vorbei und halten mir im Vorbeigehen Socken, Unterwäsche und Schuhe unter die Nase. Frauen balancieren ihre Einkäufe in großen Wannen auf dem Kopf nach Hause.

Makola market in Accra, Ghana

Der Makola Markt ist noch größer und unübersichtlicher als Lomés Grand Marché. Hat aber einen entscheidenden Vorteil: wenigstens schlängeln sich kaum Motos durch das Gedrängel.

Makola market von Accra in Ghana

Dennoch tut es gut, dem Trubel eine Weile auszuweichen. Wir ziehen uns auf die Terrasse in erster Etage eines angrenzenden Gebäudes zurück. Von hier oben lässt sich das bunte Treiben entspannt beobachten. Perfekt, um die typisch afrikanische Lebensweise mit etwas Abstand in mich aufzunehmen.

Markt von Accra

Mein persönliches Fazit: TOP

Das charmante Accra in der Alten Stadt

Unsere Besichtigung der Alten Stadt von Accra ist ein klares Highlight. Wir schließen uns einer der offenen Führungen an, die jeden Samstag um 14 Uhr am Leuchtturm starten. Unser Guide mit dem treffenden Namen „Nice-one“ führt uns durch das Viertel der Fischer am Strand unterhalb des Leuchtturms und durch Jamestown.

Brittischer Leuchtturm in Jamestown, Accra

Der alte Fischerhafen

Unsicher ziehe ich im Fischerhafen meine Kamera aus der Tasche. Nicht etwa weil ich Angst vor Dieben habe. Es ist einfach ein komisches Gefühl. Verdeutlicht meine Kamera doch einmal mehr die Kluft zwischen der hier lebenden ärmlichen Bevölkerung und mir. Irgendwie scheint es mir unangemessen, das alltägliche Leben der Fischerfamilien im vorbei Spazieren auf Bildern festzuhalten. Was mögen die Einwohner dabei von mir denken? Doch Nice-one nimmt mir diese Zweifel schnell. Immer wieder fordert er mich auf, Fotos zu schießen. Seine familiäre Art, die Bewohner zu grüßen, ihnen im Dahingehen ein paar freundliche Worte zuzuwerfen und zu scherzen, geben auch mir das Gefühl irgendwie dazu zu gehören. Und willkommen zu sein.

Altes Fischerdorf von Ghana in Accra

Auf charmante Weise lassen er und die Dorfgemeinschaft uns teilhaben. So tanzen wir mit den Kindern auf der Strasse, schauen den Alten beim Dame-Spiel und den Frauen beim Fische räuchern über die Schulter. Auf Ewé, Englisch und Französisch wechseln wir einige Worte mit den Einheimischen, die uns Nice-one vorstellt. Freundlich grüßen uns die Frauen und Kinder winken uns lachend entgegen.

Die Einwohner des Fischerortes leben in einfachen Verhältnissen. Viele in simplen Holzhütten. Lebensgrundlage ist der Fischfang. Mit allem was dazu gehört. Große, traditionell aus einem Stamm geschlagene Boote, liegen vor dem Leuchtturm. Noch warten sie auf Käufer – erst dann vollenden die Handwerker sie mit bunten Schnitzereien.

Fischerboote im Fischerhafen von Accra in Ghana

Am Nachmittag herrscht träges Leben im Hafen. Vereinzelt laufen Schiffe ein. ‚Mehrere Tage bis zwei Wochen sind die Fischer auf dem Meer. Alles was sie brauchen haben die 10 bis 20 Männer pro Boot an Board’, berichtet Nice-one. Den schaukelnden Wellen des Ozeans in den kleinen Schalen ausgesetzt. Schutz vor Regen, Wind und Wellen birgt einzig die Bootswand.

Helfende Hände nehmen die Wannen frischen Fischs entgegen. Am Morgen verwandelt sich der gesamte Platz vor den an Land gezogenen Fischerbooten in einen großen Fischmarkt. Jetzt ist es ruhig. Vereinzelt legen Frauen die Fische auf dem Boden zum Trocknen aus. Andere räuchern den Fisch in den vom Feuer geschwärzten Tonnen.

Fische räuchern in der Fischersiedlung von Accra

Neben dem Fischfang hält die Gemeinschaft auch alles andere vor, was die rund 5.000 Einwohner zum Leben brauchen. Handel, Werkstätten und natürlich die glühenden Öfen, auf denen Soßen vor sich hin köcheln. In einem kleinen Hospiz behandeln Ärzte die Einwohner kostenlos. Und in die Schule unterhalb des Leuchtturms fließt ein Teil der Einnahmen aus unserer Führung.

Fischersiedlung von Accra

Vor dröhnenden Boxen tanzen einige Kinder. Die Jury aus zwei Frauen veranstaltet einen Tanzwettbewerb für sie. Und fordert uns prompt zum Mitmachen auf. Unter dem Kichern der kleinen Jungs versuche auch ich ein paar mehr oder weniger elegante Hüftschwünge nach afrikanischem Vorbild.

Tanzende Kinder im Fischerdorf von Accra

Als wir die Treppen vom Fischerdorf wieder hinaufsteigen, habe ich das Gefühl viel mehr mitzunehmen als nur ein paar Fotos. Der kurze Rundgang hat gereicht, das starke Gemeinschaftsgefühl zwischen den Einwohner zu spüren.

Fischersiedlung von Accra

Mein persönliches Fazit: TOP

Britisch Jamestown & Niederländisch Usshertown

Über einige Treppen verlassen wir den Hafen. Vor dem Fort Ussher überqueren wir die Strasse und gelangen direkt in die alte holländische Siedlung. Enge Gassen führen uns entlang der Steinhäuser. Ab und an weiten sie sich zu einem Platz, auf dem Kinder spielen und Frauen Obst verkaufen.

Kolonialarchitektur in Usshuertown, Accra

Übergangslos geht es in die britische Kolonie, heute Jamestown. Alte koloniale Gebäude sorgen für Charme. Ab und an zieren bunte Graffiti die Hauswände.

Streetart in Jamestown in Accra

Am Abend trifft sich die Bevölkerung auf dem öffentlichen Platz, zum gemeinsamen Lachen, Essen, Spielen. Früher fanden hier abendliche Boxkämpfe statt, die die ein oder andere Boxlegende hervor gebracht haben. Ein altes Plakat weist auf den mehrfachen Boxweltmeister aus Jamestown hin – Azumah Nelson.

Zentraler Platz in Jamestown in Accra

Hinter dem reich verzierten Palast verlassen wir Jamestown und stehen vor dem Fort James. Von den Britten errichtet, wurde es noch bis 2008 als Gefängnis genutzt. Zu besichtigen ist es leider nicht.

Alte Stadt von Accra

Mein persönliches Fazit: TOP

Der Leuchtturm

Wie auch der Leuchtturm. Der Zugang wird uns – wie schon beim letzten Besuch – verwehrt. So verpassen wir den Blick aus 28 Metern Höhe über die alte Stadt. Naja, zumindest ein schönes Fotomotiv…

Mein persönliches Fazit: FLOP

Ein Nationalmuseum ohne Ausstellung

Am nächsten Morgen steht das Nationalmuseum auf unserem Programm. Ein Blick ins Internet sagt uns, dass es geöffnet hat. Die Sanierungsarbeiten sind also abgeschlossen. Nachdem wir ein falsches Tro-tro erwischen – gar nicht so einfach, wenn man sich in Accra nicht auskennt – marschieren wir durch die Hitze.

Angekommen, erwartet uns die nächste Enttäuschung: das Museum ist noch immer wegen Umbau geschlossen. Eigentlich. Ein Guide ist trotzdem vor Ort und lädt uns in die leeren Räume ein. Dankend lehnen wir eine Führung ab, was den netten Herrn natürlich nicht davon abhält uns dennoch die imaginäre Ausstellung zu zeigen. Eifrig erklärt er uns, wo welcher Bereich einmal war oder in Zukunft zu sehen sein wird. Anfang nächsten Jahres soll das Museum wieder eröffnen. Eigentlich. Beim nächsten Mal rufen wir besser vorher an.

Streetart im Skulpturengarten Nationalmuseum Accra

Wir bedanken uns für die imaginäre Führung und drehen noch eine Runde durch den Garten der Skulpturen. Ohne Guide, obwohl es hier tatsächlich etwas zu sehen gäbe. Lebensgroße Steinfiguren zeigen historische Personen und Szenen aus dem afrikanischen Alltag. Uns inspirieren sie vor allem zum Fotos schießen. Leider schießen sich auch die Mücken auf uns ein, so dass wir das Gelände schnell wieder verlassen.

Skulpturengarten des National Museums von Accra

Mein persönliches Fazit: FLOP

Entlang der High Street und 28th February Road

Mann muss sie nicht mögen, aber die hier aufgereihten Sehenswürdigkeiten gehören aufgrund ihrer Symbolik zum Accra-Besuch dazu. Welcher Tourist kann schon guten Gewissens den Haupt-Souvenirmarkt, das Unabhängigkeits-Denkmal oder das Mausoleum des ersten Präsidenten links liegen lassen?

Entspannen im Kwane Nkrumah Park

Wer von dem Trubel, der staubigen Hitze und den hupenden Autos einen Moment Abstand benötigt, ist im fünf Hektar großen Kwame Nkrumah Memorial Park genau richtig. In der kleinen Oase mit Fontänen und Wasserflächen kann ich durchatmen. Unter den schattigen Bäumen auf dem grünen Rasen zur Ruhe kommen. Auftanken und neue Energie schöpfen. Dabei nicke ich auf der Wiese tatsächlich für einen Moment ein.

Kwane Nkrumah Parc und Monument in Accra

Kern des Parks ist das Mausoleum von Ghanas President Kwame Nkrumah, der hier seine finale Ruhestätte fand. Der Anführer der Panafrikanischen Bewegung verstarb als Held des gesamten Kontinents. Langsam schlendern wir durch die kleine Ausstellung in dem angenehm klimatisierten Raum. Alte Fotos und andere Zeugen aus seiner Amtszeit erinnern an den ersten Präsidenten Ghanas.

Mein persönliches Fazit: TOP

National Centre for Arts and Culture – Accras Souvenirmarkt Nr. 1

Direkt neben dem Nkrumah Park befindet sich das National Centre for Arts and Culture of Ghana. Unter einem Dach ist hier in kleinen Ständen alles versammelt was Ghanas Handwerk zu bieten hat. Souvenirs soweit das Auge reicht – von Kleidern und Kunstwerken über Schmuck, Schüsseln und Schlüsselanhängern bis hin zu Trommeln und Taschen. Andenken aus Holz, aus Ton, aus Stoff. Gewebt, genäht, geschnitzt. Wer vor dem Abflug noch ein Mitbringsel braucht, wird hier garantiert fündig.

Aber in jedem kleinen Stand wartet natürlich auch ein Verkäufer. Der mich zum Eintreten, Anschauen und Kaufen einlädt. Mir persönlich ist das schnell zu viel. Meine Augen finden keinen Halt an der Fülle an Produkten. Meine Ohren schalten auf Durchzug beim andauernden „Come in. Just look“. Schnell verlasse ich den Kauftempel. Ohne etwas näher betrachtet zu haben. Ohne etwas zu kaufen.

Mein persönliches Fazit: FLOP

Viel Platz auf dem Independence Square

Etwas weiter erreichen wir den Independence Square. Auf dem Kreisel thront der mächtige Triumpf-Bogen. Mehrfach haben wir ihn umrundet und sind am ihm vorbei – mal zu Fuß, mal im Tro-tro, mal im Taxi.

Gleich daneben der Independence-Platz. Deutlich macht sich das sowjetische Vorbild bemerkbar – ein Aufmarschplatz aller erster Güte. Geometrisch und riesig wirken der Platz und das Denkmal viel zu aufgeräumt für afrikanische Verhältnisse.

Im leeren Zustand ist der große Betonplatz unansehnlich. Einige Informationen aus dem Reiseführer im Gepäck reicht uns das mehrmalige passieren ohne wirklich stehen zu bleiben. Zum Aufenthalt und Verweilen lädt der Ort wahrlich nicht ein. Doch aufgrund seiner Größe und vor allem wegen seines symbolischen Werts – hier entzündete Präsident Nkrumah 1961 selbst die Flamme der Unabhängigkeit – ist er durchaus beeindruckend.

Mein persönliches Fazit: Weder TOP noch FLOP

Informationen zu meinen TOPs in Accra:

Reiseinfo traveloskop

Lieblings-Läden in Osu:
Global Mamas
Trashy Bags
Vidyas Bookshop
Weitere Shops unter timeout.com/accra

Offene Führung durch Jamestown:
Jeden Samstag 14 Uhr
Telefon +233 243 561807 oder Nice-one direkt +233 203900724
Kosten: 45 GHC pro Person
Weitere Informationen zur Jamestown Walking Tour

Makola Market: täglich, besonders belebt am Samstag

Mausoleum Kwane Nkrumah:
Eintritt, dafür Toiletten und Rastplatz mit Tischen und Bänken

Cafés und Restaurants:
An der Küste mit tollem Blick aufs Meer: Osekan-Bar und Rising Phoenix Bar (vegetarisch)
Kunst-Café in Jamestown: Jamestown Café
Afrikanisches Restaurant in Osu: Buka-Restaurant
Weiter Infos zum Essen und Ausgehen unter timeout.com/accra

Fortbewegung in Accra:
Viele Viertel lassen sich gut zu Fuß erkunden, wie Osu, Jamestown
Zwischen den Vierteln verkehren zahlreiche Tro-tros. Wer sich in Accra nicht auskennt, mag hier schonmal ein falsches erwischen. Am besten an den großen Bus-Stationen orientieren.
Alternativ sind überall Taxen zu bekommen.

Anfahrt von Lomé:
Mit dem Taxi (45 GHC pro Platz bzw. 50 mit Klimaanlage) oder im Tro-tro (25 GHC pro Platz)
Abfahrt in Aflao direkt hinter der Grenze von Lomé rechts auf dem Busparkplatz, in Accra Station Aflao
ca. 3 Stunden bis zur Grenze Aflao-Lomé

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