Bolivien Sicherheit: Wie gefährlich ist La Paz?

Grundsätzlich hatte ich nie Bedenken zu meiner Sicherheit in Bolivien. Aber ich muss zugeben, bevor ich nach La Paz reiste, hatte ich ein mulmiges Gefühl. Doch wie gefährlich ist La Paz wirklich?

Gefährlich, laut und dreckig – so stellte ich mir La Paz vor

Vom Titicacasee kommend, tauchen wir in den Ballungsraum ein. Der Bus schiebt sich im Schritttempo zwischen hupenden Autos hindurch. Auf beiden Seiten unfertige Häuser aus Backstein. Ein Gewimmel an Menschen. Hektik, Stress – so wie ich mir die Metropole vorgestellt habe.

Doch was ich zunächst für La Paz halte, ist eigentlich El Alto. Früher ein Stadtteil der Regierungsstadt, inzwischen autonom. Hier leben heute mehr Menschen als in La Paz selbst.

Als wir El Alto gequert haben, öffnet sich der Blick auf das Tal. Ein gigantischer Anblick! Über den ganzen Talkessel breitet sich ein nicht endendes Meer aus Häusern aus. Ich bin baff und klebe am Busfenster. Meine Skepsis ist Faszination gewichen.

Immer bergab geht es zum Zentrum. Wieder taucht der Bus in Verkehrschaos und Gedränge ein. Aber alles wirkt gemächlich. Autos und Menschen schieben sich beinahe in Ruhe aneinander vorbei. Niemand scheint in Eile. Niemand regt sich auf. Zwar hupt ab und an ein Auto, aber das gehört in Südamerika eben dazu…

Bolivien Sicherheit: Verkehrschaos in La Paz

Mitten auf einer kleinen Straße zwischen Reiseagenturen, Marktständen und kleinen Restaurants lässt uns der Busfahrer raus. Da stehe ich nun. Allein mit meinem Gepäck. Mitten im Getümmel. „Erstmal schnell ins Hotel“, denke ich. Trotzdem lasse ich einige Taxen passieren. Warte auf eines der offiziellen Funktaxen. Zu viele Horror-Geschichte habe ich über Kidnapping mit nicht gemeldeten Taxen gelesen.

Mut fassen und in das bunte Getümmel stürzen

Sicher im Hotel angekommen, atme ich durch. Sortiere mich. Und meine Sachen. Kurz entspannen und ich ziehe wieder los. Diesmal nur das nötigste Geld dabei. Dann tauche ich ein, in das kunterbunte Leben von La Paz.

Millionenstadt in Bolivien: La Paz

Trotz des riesigen Ausmaßes ist La Paz übersichtlich. Alle Wege hinab führen zur Hauptstraße ‚El Prado‘ im Tal. Verlaufen ist trotz der vollgestopften Straßen und Chaos kaum möglich. Sobald ich mit Fragezeichen im Gesicht an einer Ecke stehe, kommt ein Bolivianer auf mich zu und hilft.

Treiben lassen durch kleine Gassen

Den nächsten Tag starte ich zur Fototour. Meine kleine Kamera und etwas Geld in der Gürteltasche.

Ich bin beeindruckt. Trotz stinkiger Luft im Tal ist La Paz kunterbunt. Ein Schmelztiegel aus Moderne und Tradition. Pompöse Prachtbauten grenzen an alte zerfallende Kolonialhäuser. Daneben gut restaurierte Gebäude. Kleine Villen stehen vor Hochhäusern. Das Tal hinauf ziehen sich die einfachen Häuser der ärmeren Bolivianer. Vermummte Straßenjungen polieren die teuren Schuhe von Business-Männern. Modern gekleidete Städter kaufen Taschentücher aus der Hand indigener Frauen.

Straßen von La Paz in Bolivien

Ich kann mich kaum sattsehen an den Kontrasten und zahlreichen Details. Und als wäre das noch nicht genug, sind an zahlreichen Häusern, Brücken und Mauern kunterbunte Graffiti gesprüht. Ein einzigartiges Freilichtkunstwerk.

Graffiti in La Paz

Ich verlasse das touristische Zentrum. Tauche ein in ruhigere Seitenstraßen. Schlendere durch einsame Parkanlagen. Genieße den Blick von oben auf La Paz. Dann stürze ich mich ins Getümmel der zahlreichen Märkte von La Paz. Es ist eng und voll. Menschen schieben sich aneinander vorbei.

Märkte in La Paz Bolivien

Tipps zur Sicherheit in Bolivien / La Paz:

Reiseinfo traveloskop

An keiner Stelle fühle ich mich unwohl. Ich habe mich in La Paz – anders als erwartet – pudelwohl gefühlt. Mit ein paar Grundregeln, hatte ich ein sehr sicheres Gefühl und konnte die Stadt voll genießen:

  • Wertsachen eng am Körper tragen
  • im Gedrängel auf die Tasche achten
  • offizielle Funktaxen nehmen (Werbetafel mit Telefonnummer auf dem Dach)
  • im Dunkeln nicht allein in entlegene Gebiete oder dunkle Straßen gehen

Meinen Aufenthalt in La Paz habe ich spontan auf fünf Tage verlängert. La Paz war sichtlich eines der Highlights meiner Südamerika-Reise.

Bolivien Sicherheit: Hier lauert die eigentliche Gefahr

Abends schlendere ich vom Hotel ins touristische Zentrum, um Ausflüge und Bustickets zu buchen. Bolivien & Sicherheit – hier lauert, meiner Meinung nach, die eigentliche Gefahr: In den von La Paz aus angebotenen Touren ins Umland.

Blick auf die Metropole in den Anden

Zum Beispiel kutschieren wir im klapprigen Geländebus bis auf 5.000 Meter Höhe. Der Schotterweg kaum breiter als der Bus selbst. Mit Gesteinsbrocken gespickt. Rechts ragen scharfkantige Felsen aus der Wand, links der steile Abhang. Der Bus schaukelt immer wieder beträchtlich. Nicht nur ich klammere mich an meinem Sitz fest. Neben mir stößt eine Frau einen spitzen Angstschrei aus als der Bus wieder einmal bedenklich zur Seite schwankt. Kreuze am Wegesrand und das Skelett eines Geländewagens zeigen, dass die Angst nicht unbegründet ist.

Das höchste Skigebiet der Welt in den Bolivianischen Anden

Dabei zähle ich diese Tour nicht zu den wirklich gefährlichen Angeboten. Bei der Fahrt mit dem Mountainbike die Death-Road hinab sind schon zahlreiche (tödliche) Unfälle passiert. Auch der Aufstieg auf die 6.000er der Anden endet immer wieder mit lebensgefährlichen Situationen.

Gerade einmal eine Agentur riet mir von einer Tour in die Salar de Uyuni über Weihnachten und Silvester ab. Die Ralley de Dacar schließt an. In den letzten Jahren passierten zahlreiche Unfälle in dieser Zeit. Viele Fahrer sind betrunken gefahren. … 4 andere Agenturen hätten mir die Tour ohne mit der Wimper zu zucken und ohne Hinweise – selbst auf Nachfrage – verkauft. Ich buchte zu einem anderen Zeitpunkt über die erste Agentur. Es war mir sehr sympathisch, dass hier meine Gesundheit, mein Leben mehr zählt als ein paar Bolivianos.

In La Paz konkurrieren unzählige Agenturen um die Gunst der Touristen. Sie bringen Geld ins Land. Es wird alles angeboten, wofür der Tourist zahlt. Sicherheit spielt dabei oft eine sehr untergeordnete Rolle. Nicht alle Anbieter arbeiten professionell. Das Equipment ist häufig schlecht, alt oder defekt. Ein Hinterfragen der Angebote, vergleichen und Sichtung des Materials vor Buchung ist ratsam.

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4 Comments
  • Marcus
    25. Januar 2019

    Hallo,
    kannst du die Reiseagentur nennen, wo du die Tour aus gebucht hast oder Tipps zur Auffindung eines seriösen Unternehmens nennen?

    • Britta
      8. Februar 2019

      Hallo Markus,
      ich habe zum Beispiel meine Tour durch die Salär de Uyuni beim Veranstalter Cordillera gebucht.
      Ansonsten solltest du dir je nach Tour z.B. das Équipement zeigen lassen.

  • Anne
    9. Oktober 2018

    Hi, danke für die Infos. Woran erkennt man denn die offiziellen Funktaxen? Und gibt es einen Busbahnhof, von dem man zentral abfahren kann nach Arica oder variiert das immer? Danke dir schon mal ?

    • Britta
      22. Oktober 2018

      Hi Anne, freut mich wenn dir die Infos weiter geholfen haben. Die Funktaxen haben i.d.R. eine Werbetafel mit einer Telefonnummer auf dem Dach. Ich bin von La Paz nicht weiter nach Arica gefahren, daher kann ich dir gar nicht sagen, wo genau die Busse nach Arica abfahren. Sorry! Für meine Weiterfahrt nach Chile gab es einen zentralen Abfahrtspunkt. Liebe Grüße und viel Spaß in Bolivien und Peru.